dog and owner
eine symbolische Matrikel


„Die zentrale Stellung des Codes ist heute die eigentliche Definition der Macht: das Urbane, und nicht mehr die Stadt, als Zentralstelle des Codes.“
Jean Baudrillard

Die hohe Hundehalterquote in Hellersdorf veranlasst das InstItut für raumFRagen zu einer Einschreitung. Auf einem Weg, bestehend aus 1x1 Meter großen Gehwegplatten, der von den Bewohnern hauptsächlich zur Ausführung ihres Haustieres diente, wird eine schriftliche Vordefinition der zu beschreitenden Felder festgesetzt. Sie bezeichnet Orte für den „dog“ und für seinen „owner“.

Die Arbeit „dog and owner“ ist eine Zeichensetzung im urbanen Raum. Sie definiert Felder und zoniert die funktionellen Abstände, die zwischen dem Beziehungsgeflecht von einem Hund und seinem Besitzer stattfinden zu einem ablesbaren öffentlichen Raster. Das Verschwimmen der Grenzen zwischen einem privaten Menschen und dem öffentlichen, durchschaubaren Menschen wird hier sichtbar.
Das Beziehungsgeflecht zwischen einem Hund und seinem Besitzer ist von einer klaren Hierarchie geprägt. Die Dominanz des Besitzer gegenüber dem Hund ist so deutlich, dass diese Bezeichnung bereits in den Bereich der Allegorie gehört.
Diese Konstellation einer Beziehung muss eigentlich immer in den privaten Bereich gehören.
Doch der private Raum ist im Prozess der „dog and owner“ Nutzung ausgelöscht.

Es ist die Dimension der Besetzung, Vernetzung und Abtragung aller Sozialität durch die Zeichen. Gegen diese Dimension vermögen weder Architektur noch Urbanismus, noch ein Plattenhochhaus etwas auszurichten. Hellersdorf als ein Raum des Codes. Die Matrix des Urbanen ist nicht die der Realisierung einer Kraft, sondern die der Realisierung einer Differenz, der Operation des Zeichens. Hellersdorf ist ein Vieleck aus Zeichen, Medien und Codes. "dog and owner“ ist ein Typ der Intervention in die Stadt, nicht mehr als Ort der ökonomischen und politischen Macht, sondern als Raum der terroristischen Macht der Medien, der Zeichen und der herrschenden Kultur.
Die Zeichen sind gemacht, um im Rahmen einer kollektiven Anonymität vom einen auf den anderen übertragen zu werden, das sie ebenso wenig wie die Sprache irgendjemandes Eigentum sind.
Hellersdorf - ein linguistisches Ghetto

 

 
 
 











 

INSTITUT FUER RAUMFRAGEN 2004